| Bernard Garo - ein Brückenbauer zwischen Welten | Inhaltsverzeichnis: Zwischen den Medien: Real und Virtuell
Zwischen den Kulturen: Ost und West
Zwischen Konfrontation und Symbiose:
Kunst und Wirtschaft
| Er ist ein Hüne von über zwei Metern - kennen gelernt haben wir uns anlässlich einer Ausstellung im Rathaus von Stuttgart, an der er als einer von vier Schweizer Künstlern teilnahm und ich die Organisation des Schweizerischen Parts inne hatte.  | Er brachte ein einziges Bild: 2.50 x 2.50, dunkel und ausdrucksstark.
So ist er - man kann ihn und seine Kunst nicht übersehen. |
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Zwischen den Medien: Real und VirtuellWährend er früher in seinen Bildern dem Reiz der einen oder anderen Farbe "unterlag", spricht er heute ohne Schnörkel und ohne Verführung - eine ganz klare Sprache. Er weiss, was er zu sagen hat, was er uns mitteilen will, und dazu braucht es keine Anbiederung. Seine Werke sind maximal - dort wo andere längst mit Leitern arbeiten müssen, kann er immer noch aus dem vollen seiner Körpergrösse schöpfen - oder minimal - in embryonenhafter Stellung gebärt er seine Werke, zusammengekauert, mit geballter Energie. War er früher primär Maler, so bewegt er sich heute zwischen den verschiedensten Medien, ist für alles offen von Leinwand bis Holz, Wolle bis Kevlar, Video bis Internet. Sein Hunger scheint grenzenlos, er verzettelt sich jedoch nicht. Er arbeitet wie ein Besessener - egal ob mit Kettensäge, Pinsel oder virtuellen Instrumenten - und verwendet heute vorwiegend Teer, Gold und textile Fasern zur Komposition seiner taktilen Oberflächen. Er bekundet an allem Interesse, ist über alles informiert. Aber er folgt keinen Modeströmungen und muss sich nicht um jeden Preis durch die Flucht in künstlerische "Marktnischen" profilieren. Er sucht die Kohärenz mit dem Raum - aus dem Raum, dessen Ausstrahlung und der Umgebung leitet er das jeweils adäquate Kunstwerk ab. Es ist nicht die Sensation, die er sucht. Im Moment beschäftigt ihn das Thema Tapisserie. 1996, das Entstehungsjahr seines ersten textilen Werks stand noch ganz im Zeichen der Tradition. Heute hat er mit dem berühmten "Maître d'art" Bernard Battu eine neue Technik in Aubusson entwickelt, die es erlaubt zweiseitige und durchsichtige textile Werke zu schaffen - hinten wie vorne attraktiv, ohne Knoten. Ein System, das die beiden patentieren lassen, und das es ihm ermöglicht im Raum, dreidimensional, skulptural tätig zu sein. Virtuelle Welten aus realen Materialien geschaffen, ohne Internet. Eine weitere virtuelle Welt, die in Skizzen bereits vorliegt, ist ein Dom, eine Art Kuppel aus Kevlar: Riesig, durchscheinend, ein begehbares High-Tech-Gewebe. Eine Installation für Orte mit einer besonderen Ausstrahlung, für einen speziellen Anlass. Zu den textilen Werken Aubussons hat er eine enge Beziehung aufgebaut - hat es vielleicht sogar geschafft, dank seiner kreativen Ideen für Aubusson neuen Aufwind zu schaffen. Einem Jahrhunderte alten Metier in einem kleinen französischen Landstrich das Leben und Überleben zu sichern. Tapisserie - ein Thema, das von den Medien als verstaubt und antiquiert wahrgenommen wird - plötzlich durch ganz neue Ideen inspiriert. Perspektiven, die nicht nur ihm neue Dimensionen eröffnen, sondern auch anderen Künstlern. Hier wie überall verharrt er nicht im Traditionellen und Herkömmlichen - er denkt weiter und bringt aus ganz anderen Bereichen Gedankengut ein. Angeregt durch seine Leidenschaft, das Regattasegeln, wo er je nach Situation spezielle Segel aus hochtechnischen Fasern verwendet, tauchte der Wunsch auf, in neue Dimensionen vorzudringen. Mit Du Pont de Nemours als Partner, die ihm für die künstlerische Verwendung hochtechnischer Fasern wie Kevlar und Lycra ein Exklusivitätsrecht garantieren, und alle für seine Werke notwendigen Fasern zur Verfügung stellen, beginnt er diesen Schritt in die Zukunft. Mit Fasern, die zwar schon auf dem Mars waren, deren globale Markteinführung aber erst in den nächsten beiden Dekaden statt finden wird. Er initiiert Dialoge, die noch nicht existierten, kreiert Netze und Vernetzungen, die vorher undenkbar waren. Le Corbusier gestaltete flexible Wände um Räume je nach Bedarf anders modellieren zu können. Angeregt davon will Garo mit seinen textilen Installationen neue Räume kreieren: Den Raum im Raum oder den Raum unter freiem Himmel, der in seiner Transparentwerdung mit dem freien Raum verschmilzt. Solche kreativen Höhenflüge werden real und realisierbar, durch die entsprechenden neuen Werkstoffe, die ihm die Industrie heute liefern kann. Seine Gedanken bewegen sich im Einklang mit den neuesten Resultaten der Grundlagenforschung. | 
  
Zwischen den Kulturen: Ost und WestSeine Heimat, die antiken, behütenden Mauern des kleinen Städtchens Nyon - am Ufer des Genfersees mit einer Brise Luft aus der Welt jenseits der Grenze - hat Garo längst gedanklich überbrückt. Seine Gedanken spannen sich westwärts über Paris bis nach Barcelona - von wo er die feurigen Impulse seines Werkes erhält. Von wo die Hitze des Temperaments in den Elementen Teer und Gold zerfliesst - so wie die Asphaltstrassen Barcelonas unter den gleissenden Strahlen einer glühenden Sonne.
 Ostwärts über Basel bis nach Berlin - von wo er die exakt kalkulierten, rationalen Impulse seines Werkes erhält. Schweizerische Exaktheit wie sie die Chemiemetropole Basel ausstrahlt. Und deutsche Emsigkeit und eine äusserliche Kühle, wie sie die neuen in die Höhe ragenden architektonischen Wahrzeichen Berlins ausstrahlen. Des neuen Berlin, aus dem Boden gestampft und klar gezeichnet. Doch seine Gedanken gehen über diese Grenzen hinaus - weiter, sie verharren nicht, sie sind ständig bereit für einen neuen noch weiter greifenden Dialog. Beide Temperamente vereint der Künstler Garo in sich - die Hitze und die Kühle, die Impulsivität und die Nachdenklichkeit, das alles in sich Aufnehmende wie der schmelzende Teer Barcelonas und die nach oben strebenden Gedankenwelten wie die Wolkenkratzer Berlins, das Virtuelle und das Reale, Yin und Yang. | 
  
Zwischen Konfrontation und Symbiose: Kunst und WirtschaftFrüher fanden Künstler aller Sparten ihre Mäzene in Kaiserhäusern, Kirche, im Umfeld der Herrscher- und Adelshäuser, sowie reicher Familien. Die Kunst damaliger Zeiten bildete demzufolge auch entsprechend stark politische, kirchliche und persönliche Interessen der jeweiligen Förderer ab, die mittels Kunst mit einem entsprechenden "Image" in die Annalen der Geschichte eingehen wollten. Die Kunst hat sich gewandelt - die heutige Kunst ist alles andere als ein Abbild herrschender politischer, kirchlicher oder gesellschaftlicher Tendenzen. Sie zeigt sich innovativ, risikoreich und in einem gewissen Mass "selbstverliebt". Sie setzt einen Kontrapunkt zum Alltäglichen, Gewöhnlichen und zum nicht mehr hinterfragten Gewohnten. So haben sich auch die Förderer der Kunst gewandelt: Heute haben neben dem Staat an vielen Orten Stiftungen erfolgreicher Unternehmen und UnternehmerInnen, sowie die Wirtschaft die Aufgabe der Kunstförderung übernommen. Während Stiftungen oftmals die klassischen Aufgaben des Mäzenatentums (Mäzen gibt Geld, bleibt jedoch eher im Hintergrund) wahrnehmen, ist die Wirtschaft eher an einer Zusammenarbeit im Sinne des Sponsoring interessiert. An einer Zusammenarbeit, bei der beide Partner geben und nehmen - beide von einer Win-Win-Situation profitieren können. Sponsoring ist vor allem vom Sportbereich her bekannt - im Kunstbereich haben sich weit weniger Unternehmen eine klare Sponsoring-Strategie auf die Fahnen geschrieben. Hier dominieren noch jene Firmen, die eine Schönwetterstrategie fahren - bei guter Konjunktur unterstützen sie Kunst, bei schlechterer Konjunktur ziehen sie sich zurück. Oder sie unterstützen Projekte nach eigenem Empfinden, persönlichen Beziehungen zu Künstlern, etc. Nicht aber abgestimmt auf die eigene Unternehmensstrategie, das Marketing- und Kommunikationskonzept. Wenn Kunst und Wirtschaft eine sich gegenseitig befruchtende Symbiose bilden sollen, so dass beide ein Maximum davon profitieren können, müssen interessierte Unternehmen sich zunächst überlegen, von welchen Bereichen sie sich künstlerische Inputs erwarten und wie sie diese in eigene unternehmerische Visionen, Strategien und Operationen integrieren können. (Markenbezogen, Projektbezogen, etc.) Kultursponsoring kann als Chance für eine Standortbestimmung eines Unternehmens betrachtet werden: Gemeinsame Werte der Wirtschaftswelt und der Kunstwelt müssen definiert und in Einklang gebracht werden. Nur wenn man auf qualitatives und kontinuierliches Engagement setzt, resultiert daraus ein langfristig positiver Ertrag für beide Seiten - Wirtschaft und Kunst. Künstler* - im innovativen oder musealen Bereich - leben in einer Welt, die sich oftmals ausserhalb unserer gängigen Denkschemata bewegt. Eine Welt, die Aussenstehenden wie Chaos scheinen mag, wie eine explosive Mischung aus Phantasie, Vagantentum, Paradoxien, Futurismus und mehr. Heute steht mehr denn je nicht nur das Werk des Künstlers im Mittelpunkt, sondern auch er/sie selber als Person. Der Künstler als Akteur und Vermittler in einer uns unbekannten Welt, als Brückenbauer zu neuen Ufern. Genau aus dieser Welt könnten sich Unternehmen und UnternehmerInnen - wir alle - viel mehr Impulse holen. Statt sich immer in den gleichen Denkbahnen zu bewegen, immer die gleichen Verhaltensmuster an den Tag zu legen, sollten sie sich öffnen und einlassen auf ihre Sparring-Partner aus dem Kulturbereich. Sollten eine neue Art der Konfrontation suchen, die Auseinandersetzung mit Künstlern, die durch ihr überwaches Sensorium eine Art strategisches Radar für die Wirtschaft darstellen können. Natürlich ist es bequemer, im Vergangenen zu verweilen und sich mit schon Bestehendem zufrieden zu geben, doch nur wer den Mut hat, sich von sicheren Werten abzuwenden und sich Neuem und Unbequemem zuzuwenden, kann auch entsprechende Inputs ernten. Für jene, die bereit sind, diesen konstruktiven Dialog zu führen und die sich der Kunst und den Künstlern öffnen, können daraus ganz wertvolle Bereicherungen erwachsen: Eine Erweiterung des persönlichen Horizontes, eine bessere Bewusstmachung unserer heutigen Zeit, eine gesteigerte geistige Flexibilität und Kreativität und eine grössere Sensibilität für Neuerungen. Ich erlebe Bernard Garo als einen Künstler, der in den oberen beiden Sparten der Kunstpyramide anzusiedeln ist: Innovativ bis museal. Ein Künstler, der ein ausserordentlich breites Interessensspektrum besitzt, sich mit vielem auseinandersetzt. Dessen Wurzeln (auch familienbedingt - der Vater ist Historiker und zeitgenössischer Komponist) in Vergangenheit und Gegenwart sehr gut verankert sind und der nicht mit Luftschlössern im freien Raum schwebt. Dessen Gedanken und Werke aber über die Grenzen der Gegenwart hinaus in die Zukunft vorauseilen. (Analog zu den Forschern in der Industrie.) Garo ist ein Künstler, dessen strategisches Radar ausgezeichnet funktioniert. Dadurch, dass er sich fliessend über die verschiedensten Grenzen hinweg bewegt, seien es technische, materiebezogene, geografische, virtuell-reale oder andere, kann er aus dem Ganzen schöpfen. Und diese Vielfalt, diese Energie kann er weitergeben. Er kann sie einerseits über seine Werke weitergeben - an Private, Unternehmen, UnternehmerInnen und die Öffentlichkeit. Andererseits kann er vor allem in Unternehmen über seine Denkweise, seine Fragestellungen und seine Motivation als ein Advocatus Diaboli fungieren. Als Mitglied des Direktoriums, in ein strategisches Komitee integriert, oder als "situativer Kreativitäts-Generator" kann er das Sensorium für neue Aspekte schärfen, kann mithelfen Denkblockaden zu überwinden und kann Unternehmen so zu Einzigartigkeit und neuen Strategischen Erfolgspotentialen verhelfen. Jeder, der bereit ist, sich mit ihm einzulassen, kann von dieser Kraft profitieren. Es wäre schön, wenn in Zukunft dieser Schulterschluss zwischen Wirtschaft und Kunst verstärkt werden könnte - und Unternehmen und Künstler vermehrt auf qualitativ hochstehendem Niveau und in langfristigem gegenseitigem Engagement voneinander profitieren könnten. | | * Die Autorin hat eine "Kunstpyramide" (analog zur Einteilung von Konsum- und Investitionsgütern) entwickelt, nach welcher sie die Kunstformen in Klassen einteilt. |  |  | Museale Kunst |  | Innovative Kunst |  | Repetitive Kunst |  | Hobby Kunst |
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| Inspiration für die Wirtschaft ergibt sich nur aus den Bereichen innovative und museale Kunst. Die beiden unteren Bereiche können der Wirtschaft keine wichtigen Impulse liefern, da sie sich auf rein dekorative Funktionen beschränken, im Ausüben rein technischer Fertigkeiten (Hobby Kunst) oder im repetitiven Bereich, da sie den momentanen Publikumsgeschmack ausschöpfen. Und somit können sie auch keine neuen Denkanstösse liefern. Zwischen den einzelnen Kunstniveaus bestehen fliessende Übergänge. So kann es z.B. durchaus vorkommen, dass sich ein Künstler vorübergehend in einer Phase der repetitiven Kunst befindet, dann aber wieder neue Kreativität schöpft und sich zur Ebene der innovativen Kunst aufschwingt. | Friederike Schmid Lic. oec. HSG studierte an der Universität St. Gallen Betriebswirtschaft. Sie engagiert sich seit über 10 Jahren mit Ihrer Firma Communication by Art für kulturelle Projekte in Wirtschaft und Öffentlichkeit. Daneben ist sie ehrenamtliche Präsidentin von BPW Club Bern (Business and Professional Women) und setzt sich für Anliegen dieses weltweit bedeutendsten Verbandes berufstätiger Frauen in verantwortungsvollen Positionen ein. |
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