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Berner ZeitungAngelica Schorre
  09.03.2002

 

Netzwerk der Frauen und der Kunst

Friederike Schmid ist leidenschaftliche «Netzwerkerin», vermittelt Werke zeitgenössischer Künstler. Und seit kurzem ist sie Präsidentin der «Business and Professional Women, Club Bern» - des grossen Frauennetzwerks.

 

Orange ist die fröhlichste Farbe des Spektrums. Sie steht für Tatkraft, Beredsamkeit, Organisationstalent. Und dafür, dass man gerne im Zentrum der Aufmerksamkeit steht. Orange ist die Lieblingsfarbe von Friederike Schmid, die letzten Dienstag zur Präsidentin von «Business and Professional Women, Club Bern» gewählt worden ist. Orange der Blazer, passend der Lippenstift - die Farbe steht der 37-jährigen Powerfrau. «Ich gebe gerne Impulse, präsentiere gerne. Und wenn ich etwas mache, dann mache ich es recht», beschreibt sie sich kurz.

 

«Business and Professional Women» (BPW) ist in der Schweiz und weltweit die grösste Vereinigung berufstätiger Frauen in gehobenen und selbstständigen Positionen. In der Schweiz zählen - in 35 Clubs aufgeteilt - ungefähr 2500 Mitglieder zu BPW. Der Berner Club ist mit 120 Mitgliedern der zweitgrösste in der Schweiz.

Ziel des weltumspannenden Frauennetzwerkes ist die qualitative Gleichstellung der Frau. Damit sie in der Gestaltung ihres Lebens frei wählen kann. «Sie soll entscheiden können, ob sie gerne Kinder haben und für diese zu Hause sorgen möchte. Ob sie keine möchte. Oder ob sie Kinder und Beruf unter einen Hut bringen will», sagt Friederike Schmid.

Doch da würden die strukturellen Probleme schon beginnen. Zum Beispiel beim Schulsystem. Die Kinder hätten hier 2 Stunden Unterricht, dort 2 Stunden nach dem Mittag. «Blockzeiten wären ein grosser Schritt, von Tagesschulen wage ich noch gar nicht zu träumen.»

Und es gebe noch immer Leute, die Tagesschulen als «Kinderaufbewahrungsanstalt» betrachteten. Sie weiss, von was sie spricht. Ihre beiden Kinder sind 4- und 8-jährig. «Gottseidank habe ich ein gutes Au-pair-Mädchen. Ohne dieses ginge es gar nicht.»

 

Türöffnerfunktion

Mentoring für Frauen ist ebenfalls Sache der «Business and Professional Women». «Wir nehmen gerne Türöffnerfunktion wahr, coachen.» Auch gibt es einen Stipendienfonds für Frauen, den BPW jährlich mit einem namhaften Betrag äufnet. «Aber wir geben den Frauen nicht einfach Geld, sondern begleiten sie auch, vernetzen sie.»

 

Im Jahr 2005 wird die weltweite Vereinigung 75 Jahre alt, und dieses Jubiläum wird in Luzern gefeiert werden. Trotz dieses runden Geburtstages weiss man in der Öffentlichkeit nicht sehr viel über die «Business and Professional Women». Friederike Schmid lacht. «Das wollen wir jetzt ändern.» Ein Marketinggrundsatz lautet «Tue Gutes und rede davon». «Nun, Gutes tun wir schon seit langem, jetzt werden wir auch darüber reden.» Das heisst professionell kommunizieren. «Und wir wollen - obwohl politisch und religiös neutral - als wirtschaftlich einflussreiche Lobby vermehrt zu frauenspezifischen Belangen Stellung nehmen.»

 

Rund 20 Prozent ihrer Zeit widmet Friederike Schmid den BPW Bern und Schweiz und International. Was bringt ihr diese Arbeit? «Bei jeder ehrenamtlichen Arbeit lernt man auch sehr viel. Ich habe mein halbes Leben als Netzwerkarbeiterin verbracht und freue mich auf neue Begegnungen, auf interessante Referentinnen. Und ...», sie macht eine kurze Pause, «... es macht mir einfach Spass.» Und das
glaubt man ihr sofort.

 

Kunst kommunizieren

Freude am Vermitteln, am Kommunizieren nicht nur von verbalen Inhalten, sondern auch von Kunst. Die studierte Betriebswirtschafterin HSG organisiert seit 1990 Ausstellungen nationaler und internationaler Künstlerinnen und Künstler in der Schweiz. Zum Beispiel «Net Art 2000» im Château de Prangins.

Sie plant und realisiert für Private und für Unternehmen kulturelle Anlässe mit Niveau, organisiert Vernissagen und vermittelt Werke zeitgenössischer Künstler, wie zum Beispiel Hans Thomann - viele Autofahrer kennen seine drei Vögel auf der Grauholzbrücke - und Bernard Garo. Oder Werke der jungen Künstlerin Ursula Egli, die mit Glas und Steinen arbeitet. Ein Objekt von ihr hängt am Fenster von Friederike Schmids Büro - sandgestrahltes Glas mit Steinen, wie wir sie uns unterwegs oft in die Tasche stecken - wunderbar leicht und schwerelos.

Und ganz handfest - «gute Kunst passt überall hin» - schreckt Friederike Schmid auch vor Verkehrskreiseln nicht zurück. So konnte sie 2001 im Verkehrskreisel Bützberg eine Glasinstallation des international bekannten griechischen Künstlers Costas Varotsos platzieren.

Genau das will sie: die Menschen mit dem Kunstvirus infizieren, gute Kunst vermitteln. «Communication by Art» heisst ihr 1995 gegründetes Unternehmen in Wohlen (AG), wo die initiative Frau seit ein paar Jahren mit ihrer Familie zu Hause ist - vorher hat sie in Bern und Solothurn gewohnt.

 

Links zu den erwähnten Künstlern und Werken:

Künstlerverzeichnis
link Verkehrskreisel

 

Kunst inspiriert

Bei der Auswahl künstlerischer Werke ist sie streng. Repetitive, dekorative und Hobbykunst haben bei ihr keine Chance; museale, innovative und inspirierende Kunst belegen die oberen Plätze ihrer Kunstpyramide - «analog zur Einteilung von Konsum- und Investitionsgütern». Das tönt sehr pragmatisch. «Gute Kunst macht einfach das Leben besser - und bringt uns vom blossen monetären Denken weg.» Und fügt an: «Ein Künstler, eine Künstlerin sollen sich auf ihr Schaffen konzentrieren können und sich nicht noch managen müssen.»

Der orange Blazer leuchtet vor dem dunklen Bild von Bernard Garo. Friederike Schmid strahlt Kompetenz und Unternehmenslust aus. Erst jetzt bemerkt man ihre kräftigen Hände. «Ich habe 20 Jahre lang Klavier gespielt», sagt sie und lacht.

 

 

 

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© Communication by Art, Unt. Haldenstr. 31, CH-5610 Wohlen AG
Aktualisiert: 07. Oktober 2004     

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