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Text: Edith Lier
Beobachter 08/04 15.04.04
(gekürzte Fassung)
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Das Kreuz mit dem Kreisel
Kreisel tragen zur Verkehrssicherheit bei – doch
müssen sie auch schön sein? Ein Rundgang auf Schweizer Strassen.
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Weisst Du, wie viel Kreisel stehen?
Eine präzise Antwort darauf gibt es ebensowenig wie auf die Frage
nach den «Sternlein an dem blauen Himmelszelt». Ein eidgenössisches
Inventar existiere nicht, bedauert man beim Bundesamt für Strassen und
vertröstet auf die möglicherweise telefonisch abrufbaren Daten bei den
einzelnen Kantone..
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Wahrlich: Die Kreisel wachsen uns
über den Kopf.
Prominentes Beispiel ist Philippe Bovy, Lausanner ETH-Professor
und Verkehrsexperte. Als er bis Mitte der Neunzigerjahre rund Tausend
Exemplaren in der Schweiz auf die Spur gekommen war, hörte er mit Zählen
auf und liess zumindest buchhalterisch die Kreisel Kreisel sein. Mit der
Schätzung von mehr als 2000 liefert das Institut für Verkehrsplanung und
Transportsysteme der Universität Zürich einen vagen Anhaltspunkt.
... Auch Klaus Zweibrücken, Dozent für Verkehrsplanung an
der Hochschule für Technik Rapperswil, sieht im Kreisel kein
«Allerweltsmittel»: «Er muss verkehrstechnisch und gestalterisch Sinn
machen und darf nicht wahllos hingepflanzt sein.»
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Als Medium zur Verkehrsberuhigung
und –sicherheit schneidet der Kreisel gut ab.
Eine Untersuchung der Schweizerischen Beratungsstelle für
Unfallverhütung bfu an 130 Objekten zeigte, dass die Zahl der Unfälle an
Knotenpunkten, die durch Kreisel entschärft wurden, um 42 Prozent
abgenommen hat und diejenige der Verunfallten um 61 Prozent. Die
Velounfälle hingegen stiegen an. Allerdings sei nicht mit einbezogen
worden, ob der Veloverkehr generell zugenommen habe, relativiert
Christian A. Huber, Leiter der Abteilung Verkehrstechnik bei der bfu.
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Der Welturkreisel ist nicht vom
Himmel gefallen sondern auf französischem Pflaster gewachsen.
Der ehrwürdige «Place de l’Etoile» wurde 1907 in Paris als erster «Rond
Point» eingeweiht. Dann kamen die Engländer auf den Geschmack der «Roundabouts»
und führten 1965 den Kreiselvortritt ein. In den 80-er Jahren überrollte
der Boom die Schweiz. Der Rundumschlag soll seinen Anfang im Kanton
Fribourg genommen haben, wo 1985 in Vuisternens-en-Ogoz dieses Konstrukt
erstmals auftauchte. Offiziell gilt hierzulande seit dem 1. Mai 1989 der
Kreiselverkehr mit Linksvortritt. Und das ist gut so. Im Kreisel sind
jetzt alle Menschen gleich.
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«Unser Kopf ist rund, damit das
Denken die Richtung wechseln kann», brachte es der Künstler und
Dadaist Francis Picabia 1922 auf den Punkt. Aha. Der Kreisel beginnt im
Kopf.
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Der Unterirdische, Frauenfeld
TG
SF DRS Sendung Quer vom 3.9.2004: Es soll der einzige unterirdische Kreisel der Schweiz sein, vielleicht sogar Europas. Und dann erst noch in einem Stil, wie es eine Grossstadt nicht besser könnte. Doch der Kreisel steht in Frauenfeld und hat einen Fan, der ihn sogar besingt...
Der weltweit erste unterirdische Kreisel mauserte sich in der Thurgauer
Metropole neben dem altehrwürdigen Schloss seit 1999 zum neuen
Wahrzeichen. Der massive rote Mittelzylinder und die blauen Licht- und
Leitbänder beugen einem allfälligen Tunnel-Koller vor. Für die
gigantische Anlage, die bis zu vier Meter tief im Grundwasser steht,
wurden 120 000 Kubikmeter Erdreich ausgehoben und 22 000 Kubikmeter
Beton und 2300 Tonnen Armierungsstahl verarbeitet. Die
verkehrstechnische Exklusivität kam auf 27 Millionen Franken zu stehen.
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Der Genüssliche, Rothrist AG
Der überdimensionale Becher und die drei farbigen Trinkhalme mit
aufgesetzten Lippenpaaren auf dem Rothrister Grüth-Kreisel sprechen
unmissverständlich für ein Getränk, genauer für Rivella. Mit den drei
«Durstfarben» rot, blau und grün weist der Kunstkreisel auf die
Getränkemetropole hin. Im Rahmen der Jubiläumsaktivitäten «50 Jahre
Rivella – für eine farbige Schweiz» schenkte das Familienunternehmen die
Skulptur aus Chromnickelstahl seiner Standortgemeinde Rothrist mit ihren
7000 Einwohnern.
Bei der Enthüllung vor zwei Jahren lobte Gemeindeammann
Felix Schönle das Objekt mit dem Namen «Rondo spettacolo» als «runde
Sache» im wahrsten Sinne des Wortes. Ein Jahr zuvor hatte die Firma
einen Künstlerideenwettbewerb ausgeschrieben. Das Rennen machten die
beiden Aargauer Kunstschaffenden Martin Hufschmid, Metallgestalter, und
Alex Schaufelbühl, Bildhauer. Die Realisierung dauerte vier Monate und
wurde mit einem bodenständigen Volksfest eingeweiht.
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Der Künstlerische, Bützberg
BE
Eine Begegnung der besonderen Art machen Autofahrer seit drei Jahren
beim Ortseingang von Bützberg, einem Dorfteil der Gemeinde Thunstetten:
Im Kreisel empfängt sie eine elegant geschwungene sieben Meter hohe
Stahl-Glas-Skulptur. «Begegnung» heisst das Werk des griechischen
Künstlers und Architekturprofessors Costas Varotsos.
Die beiden Stahlarme auf dem massiven Betonfundament sind
bestückt mit 1500 Glasdreiecken, deren individuelle Bruchkanten der
Skulptur Leichtigkeit verleihen und je nach Tageszeit ein faszinierendes
Lichtspiel hervorzaubern.

Das Kunststück fertig gebracht hat die dorfansässige
Sponsor-Firma Glas Trösch. Lehrlinge fertigten die einzelnen Stücke von
Hand und klebten sie exakt nach den Entwürfen des Künstlers einzeln
aufeinander.
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Der Archaische, Frick AG
Auf dem historischen Pflaster von Frick ist der Dinosaurier-Boom nicht
zu bremsen, seit 1985 in der Tongrube das fast vollständig erhaltene
fossilierte Skelett eines Plateosauriers an den Tag kam. Kein Wunder
also, dass eine vier Meter hohe archetypische Nachbildung den
Ortseingang des Saurierdorfes markiert. Der erhabene 380-Kilo-Koloss ist
das Werk des jungen Effinger Eisenplastikers Daniel Schwarz. Aus lauter
kleinen Metallplatten errichtete der gelernte Huf- und Wagenschmied das
Tier in monatelanger Arbeit.
Bei der Einweihung vor drei Jahren schwärmte Baudirektor
Peter Beyeler vom «schönsten Kreisel im Kanton» und zeigte sich erfreut,
dass der Dino in leibhaftiger Gestalt in seinem angestammten Lebensraum
auferstanden sei, wo er vor 210 Millionen Jahren heimisch war. Am
letztjährigen Fest «200 Jahre Kanton Aargau» wurde der Gigant als
Ehrengast für einen kurzen Abstecher nach Aarburg abtransportiert.
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